Planung, Planung und nochmals …
Es soll Unternehmen geben, die aus einer spontanen Idee und vielen glücklichen Umständen entstanden sind, die Regel sind sie jedenfalls nicht. Bekanntlich besteht Erfolg aus einem Prozent Idee und 99 Prozent harter Arbeit. Nachdem wir uns mit dem ersten Prozent, der Geschäftsidee, beschäftigt haben, gehen wir jetzt die "harte Arbeit" an. Aber keine Angst, die notwendigen Schritte vor dem offiziellen Start Ihres Online-Business sind alle zu bewältigen. Sollten Sie einmal nicht weiterkommen, es gibt eine enorme Anzahl von Hilfsangeboten für Gründer, auch wenn das Online-Geschäft als Nebenberuf geplant ist.
Allerdings ist nicht jede Hilfe, die man angeboten bekommt, auch wirklich sinnvoll. Existenzgründungen sind für die Beratungsindustrie ein riesiger Markt geworden, und manchmal hat man das Gefühl, eine Beratung befasst sich mehr mit Theorien und der Beratung an sich als mit dem geplanten Projekt. Gute Hinweise zu seriösen Beratern erhalten Sie in Ihrer Agentur für Arbeit. Nutzen Sie auch dort die Gesprächsangebote, denn Sie müssen nicht unbedingt arbeitslos sein, um Hilfe bei der Arbeitsagentur zu bekommen.
Typische Fehler
Typische Fehler bei einer Unternehmensplanung sind unzureichende Kenntnisse über den Markt, die Kunden und die Wettbewerber, aber auch Fehler in der Kalkulation treten immer wieder auf. Viele überschätzen ihre eigenen Idee, es lohnt sich mit anderen über die eigenen Vorhaben zu sprechen. Viele unterschätzen den Zeitbedarf eines E-Commerce-Vorhabens. Man möchte schnell mit der Idee auf dem Markt sein, hat das Gefühl, im Internet noch schneller sein zu müssen als im herkömmlichen Geschäftsumfeld. Um Zeit zu sparen, bleibt eins häufig auf der Strecke: ein sauber durchdachtes Konzept.
Schreiben muss sein - das Konzept
Selbst wenn Sie nicht vorhaben sollten, Ihr E-Commerce-Projekt finanziell fördern zu lassen und keinen damit Multimedia-Preis gewinnen möchten, allein schon für sich selbst müssen Sie Ihr Geschäftskonzept aufschreiben. Wenn Sie Ihr Vorhaben schriftlich darstellen, arbeiten Sie mit Ihren Ideen, kommen so vielleicht sogar zu neuen Schlüssen. Selbst die Feststellung, dass die Idee nicht aus gegoren war, ist keine Schande. Besser Sie stellen dies zu diesem Zeitpunkt fest, als nach vielen Monaten erfolglosen Geschäftsbetrieb.
Ein schriftliches Konzept hilft Ihnen später auch, Ihren beschrittenen Weg mit dem ursprünglichen Konzept zu vergleichen. Ein solcher Abgleich ist sehr wichtig, denn manchmal ist ein Konzept durchaus gut, aber es hält sich niemand daran.
Die Idee und der Gründer
Stellen Sie in Ihrem Konzept zuerst einmal die Vorzüge Ihres zukünftigen E-Commerce-Angebotes heraus. Was wollen Sie besser oder anders machen als auf dem Markt üblich?
Beschreiben Sie Ihre Geschäftsidee so, als ob Sie diese an einen Dritten verkaufen wollten. Bleiben Sie aber realistisch. Versuchen Sie dann sich als Person selbstkritisch zu beschreiben. Was können Sie gut, wo haben Sie Schwächen (vielleicht ja im Bereich des Steuerwesens?). Lassen Sie eine Person Ihres Vertrauens Ihre Selbstbeurteilung lesen. Sie werden vielleicht überrascht sein, dass man Sie zum Teil anders einschätzt. Überlegen Sie, wer Ihnen bei Ihren schwachen Punkten helfen kann. Wollen Sie vielleicht eine englische Version Ihres Web-Shops einplanen, sind aber in dieser Sprache nicht perfekt?
Brauchen Sie vielleicht nicht nur Starthilfe zum Beispiel für das Flash-Intro zu Ihrem E-Shop, sondern dauerhafte Unterstützung? Dann planen Sie auch Personalkosten ein und überlegen Sie, wer bei Ihnen einsteigen kann. Wir werden uns noch ausführlich mit einer Teamgründung im E-Commerce befassen, da diese nicht nur finanzielle Vorteile hat. Auch das Thema Marketing und Vertrieb ist so wichtig, dass wir es in einem eigenen Kapitel betrachten werden.
Risiken nicht vergessen
Vergessen Sie in Ihrem Konzept auch den Punkt Risiken nicht. Die Chancen im E-Commerce sind Ihnen bewusst, sonst würden Sie kein Konzept erstellen. Welche Risiken gibt es aber für Sie persönlich bei Ihrer Geschäftsidee?
Typische Risiken sind plötzliche Trendänderungen (was gestern noch in Mode war ..), zu starke Abhängigkeit von bestimmten Lieferanten oder auch technologische Neuerungen, die Ihr Produkt verdrängen könnten oder aber zumindest eine komplett neue Programmierung Ihres E-Shops erforderlich machen könnten, weil Ihre Kunden nun etwas anderes erwarten.
Das liebe Geld
Zu den größten Risiken in einem Business-Plan gehört eine unrealistische Kalkulation. Berücksichtigen Sie alle Kosten, die zu Beginn und später im laufenden Betrieb auf Sie zukommen werden. Dazu gehören als Anfangskosten die Beratungskosten (zum Beispiel Steuerberater, Rechtsanwalt), Gebühren für behördliche Anmeldungen, Marktrecherchen, Startwerbung, Geschäftsausstattung, leistungsfähiger Rechner, Software, um einige Punkte zu nennen.
Bei laufenden Kosten müssen Sie unter anderem an Personalkosten, Eigenbedarf, Werbung, gegebenenfalls Lagermiete, Versicherungen, Web-Hosting, Internet-Zugang, Telefonkosten, Versandporto, Software-Upgrades, Büromaterial und Rücklagen für Investitionen denken.
Rechnen Sie auch nicht mit zu hohen und zu frühen Umsätzen. Wann welcher Umsatz eintreten kann, hängt natürlich von Ihrer Geschäftsidee ab. Planen Sie hier aber lieber sehr konservativ. Berechnen Sie Ihre Liquidität und den Break-Even.
Eines müssen Sie zumindest nicht in der Form berücksichtigen, wie es bei einem herkömmlichen Geschäftskonzept dringend erforderlich ist: die Standortfrage. Ob Sie Ihren E-Shop im Home Office verwalten und pflegen, bleibt Ihnen überlassen. Es ist sogar zu empfehlen, eher ganz klein, ohne tolle Geschäftsadresse zu starten. Solange Sie logistisch erreichbar sind, ist eigentlich jeder Standort in Ordnung. Denken Sie aber an ein möglicherweise notwendiges Lager, das für Transportmittel gut erreichbar sein muss.
Sparen Sie sich ansonsten die Büromiete und stecken Sie das Geld lieber in einen zuverlässigen Webhosting-Anbieter. Doch dazu später mehr.
Wettbewerbsanalysen: Was der kann, kann ich auch?
Schon bei der ersten Entwicklung einer Geschäftsidee lohnt der Blick über den Tellerrand. Der Wettbewerb schläft nicht, im Internet schon gar nicht. Im E-Commerce haben Sie es mit einer ganz anderen Art Wettbewerber zu tun, als wenn Sie einen Laden in der benachbarten Fußgängerzone eröffnen würden. Jeder Anbieter in Ihrem Produktsegment aus ganz Deutschland, ganz Europa, ja aus der ganzen Welt ist Ihr Wettbewerber.
Nicht nur das: Selbst Privatleute können mit Hilfe der Verkaufsplattformen wie Amazon oder eBay zu Konkurrenten werden, ohne einen eigenen Shop betreiben zu müssen, ohne ihreURLbewerben zu müssen, einfach indem sie sich in den Windschatten der großen Online-Händler stellen. Sie können natürlich auch einen solchen Weg beschreiten. Viele Firmen gehen diesen Weg. Überlegen Sie, ob Ihre Idee, Ihre Produkte, aber auch Ihre Zukunftspläne zu einem solchen Plattform-Konzept passen könnten. Vielleicht wollen Sie die Verkaufsgebühr für Amazon oder eBay lieber selbst einstreichen, vielleicht wollen Sie aber auch Ihr Angebot anders präsentieren, anders verkaufen.
Preisvergleiche
Eine wichtige Frage im Wettbewerbsvergleich ist natürlich der Preis. Das Gewicht dieses Faktors hängt stark von Ihrer Zielgruppe ab. Bekanntlich wird für ein und dieselbe Art von Produkt von so gut wie gar nichts bis erstaunlich viel bezahlt. Die Preistransparenz ist im Internet jedoch unvergleichlich hoch. Wer kann im normalen Handel schon alle Preise ausfindig machen und vergleichen? Höchstens über das Internet, nicht wahr?
Ist Ihre Zielgruppe preisbewusst, werden Sie es schwer haben. Neben Preis-Suchmaschinen sind im Internet auch Suchtrupps unterwegs, die für die großen Anbieter alles protokollieren und sammeln. Wenn es möglich ist, lassen Sie sich nicht in diese Preisschlacht ziehen. Man kann auf Dauer als kleines Unternehmen oder als Einzelperson kaum bestehen, wenn der Wettbewerb fast unter dem Einkaufsniveau anbietet.
Bei der Zielgruppenanalyse hatten wir bereits gesehen, wer am meisten im Internet einkauft. Richten Sie gegebenenfalls Ihre Geschäftsidee nochmals stärker auf die zahlungsfreudigen Kunden aus. Aber vergessen Sie nicht: Der Wettbewerb will diese Kunden ebenfalls, und der Kunde, der will verwöhnt werden, will ein Shopping-Erlebnis, oder aber hat nie wirklich Zeit und scheut zu viele Klicks.
Die richtige Infrastruktur: Shop-Software und Web-Hosting
Wenn Sie sich entschieden haben, die Infrastruktur einer bestehenden Verkaufsplattform zu nutzen, entfallen verschiedene Aufgaben in der Planungsphase für Sie, allerdings schränken Sie auch Ihre Möglichkeiten ein. Dennoch kann ein Start als "Powerseller" bei einer Plattform auch ein Test sein, ob sich Ihre Produkte überhaupt online verkaufen lassen.
Wenn Sie einen eigenen E-Shop aufbauen wollen, gilt es, die Fülle von Angeboten der Shopsoftware-Hersteller zu sondieren. Vielleicht bietet Ihnen auch Ihr Internet-Provider ein Webhosting-Angebot zusammen mit einem E-Shop an.
Mietshops
Ein typisches derartiges Webhosting-Angebot umfasst eine bestimmte Anzahl Domains, Webspace für einen Online-Shop, monatlichen Traffic und E-Mail-Postfächer. Bei manchen Anbietern erhalten Sie auch gleichzeitig Software für mehr oder weniger professionelles Web-Design, ein Newsletter-Tool, Web-Statistikauswertungen, FTP-Zugänge und eine Datenbank für Ihre Artikel. Manchmal ist auch eine Unterstützung für Ihr Online-Marketing inklusive (Anmeldung bei Suchmaschinen, Einträge in Branchenbücher etc.)
Für den E-Shop und die monatlichen Kosten ebenfalls relevant ist die Anzahl der möglichen Warengruppen und Artikel. Versuchen Sie nicht, hieran zu sparen. Schränken Sie nicht Ihre Produkthierarchie ein, um ein billiges Angebot nutzen zu können. Bei den großen Online-Shops sind jeweils mehrere Mitarbeiter allein damit beschäftigt, die Artikel zu gruppieren und zu unterteilen. Der Grund ist einfach der, dass die Kunden die Artikel leicht finden und bestellen können müssen. Die Kunden scheuen lange Suchzeiten und viele Klicks bis zur Bestellung. Da brechen sie lieber den Bestellvorgang ab. Klassifizieren Sie also Ihr Sortiment erst einmal unabhängig von den E-Shop-Möglichkeiten. Haben Sie noch keine Erfahrung damit, sehen Sie bei den Big Playern im Internet nach.
Manche E-Shop-Anbieter schränken bei den günstigen Versionen auch die möglichen Sprachen ein oder die Lieferarten, die Bezahlwege und die Kundenverwaltung. Diese Einschränkungen können sehr hinderlich sein. Prüfen Sie genau, ob die bevorzugte Lieferart und Bezahlform Ihrer späteren Kunden möglich sein wird. Gerade hier sind viele Kunden empfindlich.
Auch im Design des Shops werden Sie bei solchen Mietshop-Systemen eingeschränkt sein. Gefallen Ihnen die Beispiele des Anbieters? Würden Sie sich als Kunde hier wohl fühlen? Finden Sie sich darin zurecht? Fragen Sie auch einmal einen im Internet unerfahrenen Bekannten, ob er damit klar kommen würde. Seien Sie also kritisch. Achten Sie auch auf Zusatzkosten, die zum Beispiel ein hoher Traffic erzeugen könnte. Haben Sie bereits eine gut gefüllte Artikeldatenbank, wäre unter Umständen ein Mietshop-System mit Importfunktionen wünschenswert.
Kauf-Shops
Vielleicht sind Ihnen Mietshops aber auch zuwider, Sie wollen einen eigenen Shop installieren. Auch hier gibt es viele Anbieter, die es zu vergleichen gilt. Auch die kostenlosen Varianten können sehr praxistauglich sein. Prüfen Sie die möglichen Einschränkungen, die Ihnen ein Shop auferlegt. Sehen Sie sich die Lizenzbedingungen an. Bitten Sie um Referenzen, die Sie im Internet ausprobieren können, aber bitte nur echte Shops, keine Kunstgebilde. Und was verwendet eigentlich Ihr Wettbewerber, der so einen ansprechenden E-Shop hat?
Das Internet ist voll von Testberichten, Bewertungen und Berichten über gute und schlechte E-Shops. Machen Sie aber auch Ihre eigenen Erfahrungen, verlangen Sie eine Test-Version und spielen Sie damit. Seien Sie anspruchsvoll, denn Ihre Kunden werden dies auch sein.
Wie ist die Darstellung der Artikel gelöst und die Einbindung der Bilder? Sagt Ihnen die Kundenverwaltung zu? Kann eine Warenwirtschaft angebunden werden, wenn es erforderlich werden sollte? Wie frei ist das Design, wie stark werden Sie aber auch darin unterstützt? Welche Bezahl- und Lieferarten sind vorgesehen? Wird ein Statistikmodul angeboten, so dass Sie Ihren Shop später im Betrieb zum Beispiel nach verkauften Artikeln bewerten können?
Denken Sie daran, was die Kunden bisher oft im E-Shop vermissen: einen kurzen, einfachen Bestellweg, sichere Bezahlformen, eine einfache Orientierung, einen persönlichen Einstieg und eine übersichtliche Präsentation der Waren und Vertragsbedingungen.
Von Namen und Domains
Web-Shops haben es schwieriger als die stationären Geschäfte. Wenn Sie ein Buch kaufen wollen, erinnern Sie sich vielleicht nicht an den merkwürdigen Namen des Geschäftes, aber Sie wissen in etwa, wo das Geschäft in der Einkaufsstrasse ist und gehen hin. Im Internet reicht bekanntlich nicht die ungefähre Kenntnis einer Adresse, also muss sich der Kunde entweder Ihren Shop-Namen merken, einen Bookmark anlegen (dann kann man Sie gleich beglückwünschen) oder sie beziehungsweise er bedient sich einer Suchmaschine.
Heißt Ihr Online-Shop dann "Willis-wilde-Buecher.de", gibt der Kunde wahrscheinlich irgendetwas mit "Bücher" ein, und Sie haben in der Regel verloren. Sofort sind die großen Anbieter zur Stelle. Warum sollte der Kunde jetzt noch weitersuchen, es sei denn, Sie haben etwas, was andere nicht anbieten können, und das ist nicht immer einfach.
Suchen Sie sich also einen kundenfreundlichen, klaren Namen, den man sich gut merken kann, und sichern Sie sich die passende Domain. Ist diese vergeben, ändern Sie lieber die Namensidee als zu versuchen, die Domain doch noch zu bekommen. Schließlich sind Sie kreativ genug, sich mindestens fünf vernünftige Shop-Namen zu überlegen, und eine entsprechende Domain ist bestimmt frei.
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